Hallo ihr, vielleicht muss ich noch einmal genauer sagen, was ich eigentlich meine und nicht meine
Ich meine nicht, dass es ein Problem sein wird, einen Lehrer zu finden, der ein günstiges Gutachten ausstellt. Dass sich ein Schüler mit keinem Lehrer versteht, ist wohl eher selten. Für das spätere Schulgutachten von Schulleitung und Englischlehrer (z.B.) ist man ja auch auf einen guten Draht zu den betreffenden Leuten angewiesen. Ich wollte eigentlich auch nicht den Inhalt dieser Bewertung und seine mögliche Auswirkung auf die Annahme zum Thema machen, denn ich glaube, dass ein solches Gutachten im Grunde für die Entscheidung der Organisation ziemlich belanglos ist.
Aber ich sehe das Problem eher darin, dass eine kommerzielle Austauschorganisation, die mit der eigentlichen Ausbildung überhaupt nichts zu tun hat, sich das Recht herausnimmt, eine Charakterbewertung einzufordern, noch dazu eine, die der Kunde nicht einsehen soll.
Ein Vergleich mit Aufnahmebedingungen an Universitäten (@ Medusa), Bewerbungen um einen Arbeitsplatz oder eine Lehrstelle hinkt, denn hier wird in Form von Gegenleistungen wie Ausbildung oder Vergütung eine lange erfolgsorientierte Partnerschaft angestrebt. Das ist hierbei etwas ganz anderes, denn es handelt sich bei der Orga nur um einen Vermittler, der für relativ klar umrissene Tätigkeiten vom Kunden bezahlt wird.
Wenn ich mich für eine Organisation entscheide, überlege ich mir doch, was tut diese für mich bzw. mein Kind. Glaubt ihr im Ernst, dass es irgendwo in euerm Interesse ist, wenn eure Sozialverträglichkeit abgefragt wird? Gut, als Jugendlicher ist man es gewöhnt, dass Erwachsene es im Allgemeinen gut mit einem meinen, Eltern, Schule usw. Deshalb übertragt ihr diese Erwartung auch auf die Orga, die mit eurer Vermittlung ihr Geld verdient und euch einredet, je genauer sie euch kennt, umso besser für euch. Aber das stimmt nicht. Das sind keine Leute, die primär euer Wohl im Auge haben. Die möchten Schüler haben, mit denen sie während des Auslandsaufenthaltes möglichst wenig Schwierigkeiten haben.
Dazu kommt noch etwas anderes, ein zumindest einmal überdenkenswerter Ansatz. Je höher eine Organisation die Hürde der Aufnahme setzt, umso größer wird der Zulauf sein und umso stolzer sind die Aufgenommenen auf ihre scheinbare Leistung. Überprüft einmal eure eigenen Reaktionen. Das funktioniert wie ein gut kalkulierbares Gesellschaftsspiel. Außerdem kann eine Organisation, die ihrem Bewerber ein Schulgutachten abverlangt, wesentlich sicherer sein, dass der Kandidat, nachdem er diese Hürde genommen hat, auch bei der Stange bleibt. Schließlich weiß sie genau (zumal durch den verschlossenen Umschlag die Kopiermöglichkeit entfällt), dass ein Schüler diese Bitte an seine Lehrer nicht beliebig oft wiederholen kann. Fragt euch also, wem nützt dieses Vorgehen wirklich?
Und um zu verhindern, dass Organisationen Ansprüche an den Bewerber stellen, die nur ihrem eigenen Vorteil nutzen, sollte man sie meiden, damit sich diese Verfahren nicht auf dem Markt durchsetzen und und man weiterhin die Wahl hat.
LG, Gabi